Jugendfahrten - dieses Wort hat mit Sicherheit in jedem Verein, in dem aktive Jugendarbeit geleistet wird - eine bestimmte Bedeutung. Bei uns ist es durchgehend an positive Erinnerungen geknüpft. Egal, ob sie in ein fernes Land wie "Ungarn" oder in ein nahes Dorf wie "Nettersheim / Eifel" führte, Spaß hatten wir immer.
So manche Geschichte kann dort erzählt werden, besonders von solchen
Jugendfahrten, wo das "Problem" Selbstverpflegung anstand. Aber da
hatten wir ja unseren Schuster ! Für einen fleißigen Kartoffelschäler
gab es dann schon mal eine Portion Nachtisch extra oder man durfte
abends am Lagerfeuer eine Viertelstunde länger aufbleiben. Und eben das
Lagerfeuer war immer ein besonderer Anziehungspunkt am Abend.
Der Ort Nettersheim in der Eifel gab da das optimale Umfeld dafür
ab. Ein altes Eisenbahnerheim ca. 1 Km vom Ortskern abgelegen an einer
Bahnstrecke (Euskirchen - Blankenheim) nutzten wir zu Unterkunft. Etwa
30 Personen können hier übernachten. Außerdem gibt es einen
Tischtennisraum, einen Aufenthaltsraum und eben den besagten
Grillplatz, der etwa 100m vom Haus entfernt liegt.
Der typische Tagesablauf einer Jugendfahrt hat dort folgendes
Aussehen: morgens um 8.00 Uhr hörte man zum Entsetzen aller ein
Jagdhorn, mit dem unsere Schuster höchstpersönlich zum Aufstehen einlud
(nach einer langen Nacht am Lagerfeuer führte das morgens schon mal zu
Kopfschmerzen). Der Küchendienst hatte immer den Vorteil, daß er eine
Stunde eher geweckt und nicht mit einem gewaltigen Getöse aus dem
Schlaf gerissen wurde.
Eine wichtige Aufgabe des Küchendienstes am Morgen: Brötchen und
"Bild"-Zeitung holen. Man muß ja schließlich auf dem Laufenden bleiben
und hier gibt es keinen Fernseher... Der Morgen verlief, wenn man nicht
gerade Küchendienst hatte und kein Sonntag war (denn dann kochte
Schuster immer in drei bis vier Gängen), immer recht ruhig. Man nutzte
ihn zum Einkaufen. Nach dem Mittagessen zeigte man seine Wanderfreude.
Da hat die Eifel genug zu bieten... und warum soll man eine Wanderung
nicht mit einer Schnitzeljagt verbinden. Aufgrund kundiger Kartenleser
wird das vereinbarte Ziel schonmal leicht verfehlt, weil plötzlich eine
Schonung zum Steinbruch wird. Das bringt genug Diskussionsstoff für den
Abend...
Wohlgesonnen zurück (die Verfolger hatten aufgrund des
"Mißverständnisses" ihre Wanderung abgebrochen und sind zum Haus
zurückgekehrt), wurde natürlich wieder einmal das Essen vorbereitet,
abgespült und sich dann für den Abend fit gemacht.
Gegen 20.00 Uhr ging es dann meistens los: Das Feuer wurde
entzündet, die Kartoffeln in Folie eingewickelt (oder auch nicht) und
natürlich Getränke bereitgestellt. Unter sternenklarem Himmel zählte
man Sternschnuppen, vorüberfliegende Satelliten oder man diskutierte
halt einfach über den Tag. Zu vorgerückter Stunde kam die Gitarre zum
Einsatz und manch einem wurde das Singen beigebracht. Schwierig wurde
es dann allerdings immer, wenn die "jüngeren" Teilnehmer ins Bett
mußten. Sie wollten natürlich nicht. Aber Schuster hatte alles im
Griff: "Wenn ihr jetz net nom Bett jeht, hatt ihr morje Küekedienst !".
Damit war dann alles klar.
Aber es gab ja nur nicht Nettersheim, was Besonderes ist es aber schon. Da war auch z.B. noch unsere bisher weiteste Fahrt an das Südufer des
Plattensees nach Ungarn in den Touristenort Siofok. Zwei Tage
benötigten wir für die Fahrt und übernachteten auf der Hin- und
Rückfahrt in der Jugendherberge in Passau.
Die Örtlichkeit versprach diesmal keinen "Aktivurlaub" nach
"Wandersmannart", weil der Strand ja so nahe lag ! Und so war es dann
auch: Das Leben im Ort war nachts am aktivsten, tagsüber ruhte man sich
am Strand aus oder begab sich mehreremale auf ein Surfbrett, ohne auch
nur einmal länger als 5 Sekunden darauf stehen zu bleiben. Ach ja,
Wasserschlachten waren natürlich auch angesagt inclusive "Bootkentern"
und "Viski Pushka" (= Riesenwasserpistole; diese wurde zum Trend am
Strand, weil jeder von uns eine zur Verteidigung im Wasser besitzen
mußte, andere Leute dies sahen und sich auch eine kauften ... ).
Hehner als Trendsetter - nicht das erste und letzte mal...